Traditioneller Weise heute wieder mein Montags-Blogeintrag.
Kann ausnahmsweise fast nur gutes berichten.
Mein Beitrag wird gesendet. Mit meiner Stimme, von der hier die Redakteure sagen, dass sie ganz gut wäre.
Letztens rief Buchholz an. „Na Frau Koch, sind Ihre Kollegen mit Ihrer Stimme zufrieden“. „Natürlich Herr Buchholz. Haben Sie etwas anderes erwartet?“. Lachen am anderen Ende der Leitung.
Ich kurve weiterhin fleißig durchs Saarland. Mag noch immer kein Auto fahren, schaffe es aber mittlerweile, mich nur noch ganz selten zu verfahren…
Morgen wird mein zweiter Beitrag fertig, habe schon einen Auftrag für den dritten.
Habe heute freundlich darauf hingewiesen, dass ich mich auch noch an einer Reportage oder einem Feature versuchen will. Gleich ein Thema dazu vorgeschlagen, schon 100 gute Gründe erfunden, um es zu rechtfertigen. Vollkommen überflüssig – ging ohne Widersprüche durch.
Ich hab nur noch zwei Wochen hier und ich bedaure das mittlerweile. Würde auch noch länger bleiben. Jetzt, wo ich mich daran gewöhnt habe, dass mein „Guten Morgen“, wenn ich die Redaktion betrete, jeden Tag aufs neue gekonnt ignoriert wird.
Radio ist toll! Ich habe definitiv Blut geleckt und glaube, ich will nie wieder was anderes machen (okay, da bin ich mir nicht gaaaanz so sicher).
Die Reporter vom journalistischen Seminar sind sich auf jeden Fall sehr sicher: Sie arbeiten durchschnittlich 12 Stunden am Tag, 6 oder 7 Tage die Woche. Und finden’s super. Und wollen nicht tauschen. Ich kanns manchmal verstehen.
Montag, 20. August 2007
Freitag, 17. August 2007
Halbzeit
"Das wichtige wissen" lautet der Claim von HRinfo, dem ultimativen und einzigen Nachrichtenradios Hessens. Und da ich nach drei Wochen nun auch schon einiges zu berichten weiß, hier eine kleine Halbzeitbilanz meiner gesammelten Erkenntnisse:
Woche 1
Montag: Der erste Tag hält die überraschende Erkenntnis bereit, dass der HR seine Praktikanten richtig ernst nimmt. In der Personalabteilung bekomme einen Lageplan ausgehändigt, eine Liste mit den wichtigsten Adressen und Ansprechpartnern, einen e-mail account, eine Karte, mit der ich im Kasino das Essen verbilligt bekomme etc.
Auch in der Redaktion hat man sich auf mich vorbereitet: Ich bekomme für die kompletten sechs Wochen einen "Fahrplan" und weiß somit für jeden Tag, in welcher Schicht ich arbeite und wer jeweils mein Ansprechpartner ist. Vorbildlich, finde ich!
Dienstag und Mittwoch: Ich arbeite in der Frühplanung mit, die die Sendung für den nächsten Morgen vorbereitet, Gesprächspartner sucht, Briefings schreibt etc. Alle sind sehr nett und scheinen sich wirklich zu freuen, dass ich ihnen dabei helfe!
Donnerstag und Freitag: Arbeite am Desk, der die Reporter losschickt. Da ich dabei nicht wirklich viel zu tun habe, freut sich ein Redakteur, der noch dringend ein Erklärstück für seine Wochenendsendung braucht. Schon produziere ich mein erstes Stück, spreche es ein und gebe am folgenden Samstag mein Debut im hessischen Äther.
Woche 2
Montag und Dienstag: Arbeite bei den Wirtschaftsnachrichten. Genau mein Thema...
Mittwoch bis Freitag: Frühplanung. Langsam wird Gesprächspartner suchen und Briefings schreiben langweilig. Aber man kündigt mir an, dass es ab Woche drei nicht mehr langweilig wird.
Woche 3
Montag bis Freitag: Arbeite wieder für den Desk und beantworte gleich am Montag Morgen die Frage, ob ich Beiträge machen kann, selbstbewusst mit "Ja". Keine Viertelstunde später sitze ich schwitzend und leicht hysterisch am Schreibtisch und darf meinen ersten BME produzieren. Am Abend bin ich ein Wrack, aber glücklich: Der BME ist fertig geworden und wird am nächsten Morgen laufen!
Mittwoch: Der HR ist sogar so nett, dass er seine Praktikanten schult. Von 9-17 Uhr erfahre ich sehr nützliche Dinge über die HR-Datenbank, weiß jetzt, wie ich auf das gesammelte Musikarchiv des HR zurückgreifen kann, wo die gesammelten Versprecher der letzten Jahre abgelegt sind und erfahre außerdem noch alles über das hauseigene Schnittsystem.
Sehr praktisch, denn gleich am
Donnerstag: Steht der nächste BME an. Und da es um den 25. Geburtstag der CD geht, darf es auch ein bißchen was nettes, featuriges sein. Dank der Schulung habe ich auch schon wesentlich weniger Schweißausbrüche und habe am Nachmittag die 2:30 eingesprochen und sendefertig.
Freitag: Heute mal wieder ein Erklärstück für eine Wochenendsendung geschrieben und eingesprochen. Danach in aller Ruhe in der Kantine die wirklich gute HR-Hausmannskost genossen. Und um 15 Uhr dann der erlösende Satz vom Desk: "Ich glaube, Praktikanten, die soviele Beiträge gemacht habe, haben das Recht, Freitags schon um Drei Uhr Feierabend zu machen!"
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der HR wirklich sehr nett zu seinen Praktikanten ist?
Woche 1
Montag: Der erste Tag hält die überraschende Erkenntnis bereit, dass der HR seine Praktikanten richtig ernst nimmt. In der Personalabteilung bekomme einen Lageplan ausgehändigt, eine Liste mit den wichtigsten Adressen und Ansprechpartnern, einen e-mail account, eine Karte, mit der ich im Kasino das Essen verbilligt bekomme etc.
Auch in der Redaktion hat man sich auf mich vorbereitet: Ich bekomme für die kompletten sechs Wochen einen "Fahrplan" und weiß somit für jeden Tag, in welcher Schicht ich arbeite und wer jeweils mein Ansprechpartner ist. Vorbildlich, finde ich!
Dienstag und Mittwoch: Ich arbeite in der Frühplanung mit, die die Sendung für den nächsten Morgen vorbereitet, Gesprächspartner sucht, Briefings schreibt etc. Alle sind sehr nett und scheinen sich wirklich zu freuen, dass ich ihnen dabei helfe!
Donnerstag und Freitag: Arbeite am Desk, der die Reporter losschickt. Da ich dabei nicht wirklich viel zu tun habe, freut sich ein Redakteur, der noch dringend ein Erklärstück für seine Wochenendsendung braucht. Schon produziere ich mein erstes Stück, spreche es ein und gebe am folgenden Samstag mein Debut im hessischen Äther.
Woche 2
Montag und Dienstag: Arbeite bei den Wirtschaftsnachrichten. Genau mein Thema...
Mittwoch bis Freitag: Frühplanung. Langsam wird Gesprächspartner suchen und Briefings schreiben langweilig. Aber man kündigt mir an, dass es ab Woche drei nicht mehr langweilig wird.
Woche 3
Montag bis Freitag: Arbeite wieder für den Desk und beantworte gleich am Montag Morgen die Frage, ob ich Beiträge machen kann, selbstbewusst mit "Ja". Keine Viertelstunde später sitze ich schwitzend und leicht hysterisch am Schreibtisch und darf meinen ersten BME produzieren. Am Abend bin ich ein Wrack, aber glücklich: Der BME ist fertig geworden und wird am nächsten Morgen laufen!
Mittwoch: Der HR ist sogar so nett, dass er seine Praktikanten schult. Von 9-17 Uhr erfahre ich sehr nützliche Dinge über die HR-Datenbank, weiß jetzt, wie ich auf das gesammelte Musikarchiv des HR zurückgreifen kann, wo die gesammelten Versprecher der letzten Jahre abgelegt sind und erfahre außerdem noch alles über das hauseigene Schnittsystem.
Sehr praktisch, denn gleich am
Donnerstag: Steht der nächste BME an. Und da es um den 25. Geburtstag der CD geht, darf es auch ein bißchen was nettes, featuriges sein. Dank der Schulung habe ich auch schon wesentlich weniger Schweißausbrüche und habe am Nachmittag die 2:30 eingesprochen und sendefertig.
Freitag: Heute mal wieder ein Erklärstück für eine Wochenendsendung geschrieben und eingesprochen. Danach in aller Ruhe in der Kantine die wirklich gute HR-Hausmannskost genossen. Und um 15 Uhr dann der erlösende Satz vom Desk: "Ich glaube, Praktikanten, die soviele Beiträge gemacht habe, haben das Recht, Freitags schon um Drei Uhr Feierabend zu machen!"
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der HR wirklich sehr nett zu seinen Praktikanten ist?
Montag, 13. August 2007
Neuer Lokalpatriotismus
Heute habe ich die Berliner lieben gelernt. Aber von vorn.
Vom Wiesbadener Kurier war ich ja nicht besonders verwöhnt. Also gehe ich um zwei vor zehn ins Redaktionsgebäude und erwarte Erstaunen, Genervtsein und Überforderung angesichts meines Erscheinens. Aber nein; der Pförtner sieht mich kommen und ruft mir freudig entgegen: "Guten Morgen! Sie wollen sicher jemanden besuchen, oder?" "Nein, eigentlich nicht. Ich bin ab heute für acht Wochen Praktikantin hier, mein Name ist Meike Ferrari." "Ja, sag ich doch. Ich hab Sie schon auf meinem Zettel stehen für heute."
Der Zettel wird mir gezeigt, der zweite Pförtner kommt aus dem Kabuff und besichtigt mich. Schon mal sehr gut: Jemand weiß von mir. Ich werde in den Fahrstuhl geschickt und im vierten Stock vom zuständigen Regisseur abgeholt.
Meine Redaktion besteht aus zwei Redakteuren und jetzt mir. Nach kurzer Einweisung ("Lange Vorträge finden wir doof, du kriegst das ja mit der Zeit sowieso mit und Selbermachen ist immer am besten.") kriege ich Rechercheaufträge. Berlin-Rankings, "die zehn größten/besten/...". In fast allen denkbaren Bereichen darf ich mir Rankings ausdenken und recherchieren, um die Extra-Seiten zu bestücken. Niedergelassene Ärzte pro Bezirk, Krankenhausbetten pro Krankenhaus und beliebteste Ausbildungsberufe hab ich heute schon geschafft, morgen kommen noch Berliner Zeitschriften, Wohnungsleerstände pro Beruf und Media-Agenturen mit den meisten Mitarbeitern dazu.
Es ist bestimmt echte Praktikantenarbeit, aber ich genieße wirklich, mal den ganzen Tag recherchieren zu können. Das fehlt mir schon seit Beginn des Studiums. Und das Beste: Mein zuständiger Redakteur hatte sich geirrt und der Verwaltung geschrieben, ich käme am 23.08.. Wunder über Wunder - ich hatte heute trotzdem schon einen funktionierenden Account auf meinen Namen. Einen richtigen eigenen, keinen pauschalen Praktikanten-Account!
Ich sitze in der Wirtschaftsredaktion des Tagesspiegels und fühle mich wohl wie ein Erdferkel im Schlammloch. Alle Redakteure haben mich begrüßt, NIEMAND siezt mich, der Altersschnitt liegt bei geschätzten 35 Jahren und die Sekretärin ist eine echte Urberliner Pflanze. Es gibt immer eine Getränkebar, man muss seine Tasse nicht selbst spülen und die Kollegen haben mich mittags gefragt, ob ich mit zum Essen komme. Ich will nicht zurück ins Amt! Wiesbaden ist so spießig!
Morgen mache ich meine Rankings fertig und schreibe über Firmenneugründungen. Und meine erste Reportage wird vermutlich ein Stück darüber, dass Friseure immer weniger Azubis haben und mittlerweile schon verzweifelt suchen. Obwohl der Beruf ja zu den fünf beliebtesten Ausbildungsberufen gehört. Ich glaube, ich könnte mich tatsächlich mit Wirtschaftsjournalismus anfreunden - nicht, dass ich das jemals Herrn Wolff sagen würde...
Vom Wiesbadener Kurier war ich ja nicht besonders verwöhnt. Also gehe ich um zwei vor zehn ins Redaktionsgebäude und erwarte Erstaunen, Genervtsein und Überforderung angesichts meines Erscheinens. Aber nein; der Pförtner sieht mich kommen und ruft mir freudig entgegen: "Guten Morgen! Sie wollen sicher jemanden besuchen, oder?" "Nein, eigentlich nicht. Ich bin ab heute für acht Wochen Praktikantin hier, mein Name ist Meike Ferrari." "Ja, sag ich doch. Ich hab Sie schon auf meinem Zettel stehen für heute."
Der Zettel wird mir gezeigt, der zweite Pförtner kommt aus dem Kabuff und besichtigt mich. Schon mal sehr gut: Jemand weiß von mir. Ich werde in den Fahrstuhl geschickt und im vierten Stock vom zuständigen Regisseur abgeholt.
Meine Redaktion besteht aus zwei Redakteuren und jetzt mir. Nach kurzer Einweisung ("Lange Vorträge finden wir doof, du kriegst das ja mit der Zeit sowieso mit und Selbermachen ist immer am besten.") kriege ich Rechercheaufträge. Berlin-Rankings, "die zehn größten/besten/...". In fast allen denkbaren Bereichen darf ich mir Rankings ausdenken und recherchieren, um die Extra-Seiten zu bestücken. Niedergelassene Ärzte pro Bezirk, Krankenhausbetten pro Krankenhaus und beliebteste Ausbildungsberufe hab ich heute schon geschafft, morgen kommen noch Berliner Zeitschriften, Wohnungsleerstände pro Beruf und Media-Agenturen mit den meisten Mitarbeitern dazu.
Es ist bestimmt echte Praktikantenarbeit, aber ich genieße wirklich, mal den ganzen Tag recherchieren zu können. Das fehlt mir schon seit Beginn des Studiums. Und das Beste: Mein zuständiger Redakteur hatte sich geirrt und der Verwaltung geschrieben, ich käme am 23.08.. Wunder über Wunder - ich hatte heute trotzdem schon einen funktionierenden Account auf meinen Namen. Einen richtigen eigenen, keinen pauschalen Praktikanten-Account!
Ich sitze in der Wirtschaftsredaktion des Tagesspiegels und fühle mich wohl wie ein Erdferkel im Schlammloch. Alle Redakteure haben mich begrüßt, NIEMAND siezt mich, der Altersschnitt liegt bei geschätzten 35 Jahren und die Sekretärin ist eine echte Urberliner Pflanze. Es gibt immer eine Getränkebar, man muss seine Tasse nicht selbst spülen und die Kollegen haben mich mittags gefragt, ob ich mit zum Essen komme. Ich will nicht zurück ins Amt! Wiesbaden ist so spießig!
Morgen mache ich meine Rankings fertig und schreibe über Firmenneugründungen. Und meine erste Reportage wird vermutlich ein Stück darüber, dass Friseure immer weniger Azubis haben und mittlerweile schon verzweifelt suchen. Obwohl der Beruf ja zu den fünf beliebtesten Ausbildungsberufen gehört. Ich glaube, ich könnte mich tatsächlich mit Wirtschaftsjournalismus anfreunden - nicht, dass ich das jemals Herrn Wolff sagen würde...
Encore une fois
Morgens übermüdet in die Redaktion gestapft, dort neuen CvD begrüßt.
Das Gespräch über mein Manuskript letzte Woche Freitag begann mit den Worten „Das muss alles ganz anders sein“ und endete mit dem Satz „Try again“.
Aber: Neue Woche – neuer CvD.
Neuer Cvd – neues Glück.
Manuskript abgesegnet, ich soll einsprechen. Also, allen Mut zusammen nehmen und ab in die Sprecherkabine. Auf dem Weg dorthin noch mal an die Tipps von Buchholz und Schweickhardt denken „Sie müssen viiiiel langsamer reden, auch wenn es ihnen zu langsam vorkommt“. Also los. Hinterher den Text mit den O-Tönen verwursten, ich bin begeistert – für meine Verhältnisse klinge ich fantastisch.
CvD Bescheid geben.
„Sie sprechen das gar nicht mal so übel“ – ich wachse gefühlte 5 Zentimeter, dann kommt’s: „Aber Sie sprechen das vieel zu langsam, da muss mehr Tempo rein“.
Ich halt das im Kopf nicht aus. Verspüre den dringenden Wunsch, Buchholz anzurufen und ihm zu sagen, dass mein Text abgelehnt wurde, weil ich zu LANGSAM spreche.
„Sie müssen präsenter sein. Denken Sie sich, ich bin hier und ich hab was zu sagen“. Ach, das kommt mir schon viel bekannter vor…
Von Gegenüber bekomme ich den Tipp, im richtigen Studio mit Technikern einzusprechen. Die würden sinnvolle Tipps geben. Geh dort hin, spreche einmal ein, die Techniker finden’s prima. Keine Tipps. Auf dem Weg in die Redaktion sehe ich Buchholz an mir vorbeihuschen. „Oh nein“, denk ich, „soweit ist es schon mit dir gekommen, dass du halluzinierst“. Schnell noch mal umgedreht – es ist tatsächlich Buchholz. „Tach“; sagt der, und verschwindet wieder.
Schneide dann den Beitrag mit neuem Text noch einmal. CvD kommt nicht mehr dazu, noch mal drüber zu hören. Morgen mehr über zarte Stimmen und zu viel Langsamkeit…
Das Gespräch über mein Manuskript letzte Woche Freitag begann mit den Worten „Das muss alles ganz anders sein“ und endete mit dem Satz „Try again“.
Aber: Neue Woche – neuer CvD.
Neuer Cvd – neues Glück.
Manuskript abgesegnet, ich soll einsprechen. Also, allen Mut zusammen nehmen und ab in die Sprecherkabine. Auf dem Weg dorthin noch mal an die Tipps von Buchholz und Schweickhardt denken „Sie müssen viiiiel langsamer reden, auch wenn es ihnen zu langsam vorkommt“. Also los. Hinterher den Text mit den O-Tönen verwursten, ich bin begeistert – für meine Verhältnisse klinge ich fantastisch.
CvD Bescheid geben.
„Sie sprechen das gar nicht mal so übel“ – ich wachse gefühlte 5 Zentimeter, dann kommt’s: „Aber Sie sprechen das vieel zu langsam, da muss mehr Tempo rein“.
Ich halt das im Kopf nicht aus. Verspüre den dringenden Wunsch, Buchholz anzurufen und ihm zu sagen, dass mein Text abgelehnt wurde, weil ich zu LANGSAM spreche.
„Sie müssen präsenter sein. Denken Sie sich, ich bin hier und ich hab was zu sagen“. Ach, das kommt mir schon viel bekannter vor…
Von Gegenüber bekomme ich den Tipp, im richtigen Studio mit Technikern einzusprechen. Die würden sinnvolle Tipps geben. Geh dort hin, spreche einmal ein, die Techniker finden’s prima. Keine Tipps. Auf dem Weg in die Redaktion sehe ich Buchholz an mir vorbeihuschen. „Oh nein“, denk ich, „soweit ist es schon mit dir gekommen, dass du halluzinierst“. Schnell noch mal umgedreht – es ist tatsächlich Buchholz. „Tach“; sagt der, und verschwindet wieder.
Schneide dann den Beitrag mit neuem Text noch einmal. CvD kommt nicht mehr dazu, noch mal drüber zu hören. Morgen mehr über zarte Stimmen und zu viel Langsamkeit…
Dienstag, 7. August 2007
Tour de Saarland
Neuer Tag, neue Langeweile – mein Praktikantenmotto.
Antanzen in der Redaktion, sich die Konferenz sparen, aus dem Augenwinkel realisieren, dass der CvD schon wieder total gestresst ist.
Das ignorieren, trotzdem hingehen und sagen: „Haben Sie kurz Zeit, ich würde gern einen Themenvorschlag mit Ihnen besprechen“. CvD guckt gequält. Ich gucke gequält zurück. Scheint zu funktionieren. „Das ist gerade ungünstig, aber es ist ja immer ungünstig, deshalb machen wir das jetzt“. Ich soll meinen Vorschlag recherchieren und genauer erklären, welche Aspekte ich beleuchten will.
Also ab ins Internet. Zwischendurch Gespräche mit den netten Ex-Seminaristen von uns.
Kurz vor Mittag renn ich wieder zum CvD.
Darf meinen Beitrag machen, der erste eigene Beitrag fürs richtige Radio – kann mein Glück kaum fassen. Vergesse dabei, dass es mühsam sein kann, Leute aus Ministerien vors Mikro zu bekommen. Aber egal.
Nachmittags ab zum Betriebsarzt. Endlose Augen- und Hörtests. Und weil der Öffentlich-Rechtliche aus der Tour de France gelernt hat, werden auch bei den Praktikanten Doping-Tests durchgeführt. Ich bin sauber, darf ab morgen die Tour de Saarland fahren.
Zurück in der Redaktion. Große Überraschung: Ich bekomme einen Auftrag. Hörerin des Monats interviewen. Vorgefertigter Fragenkatalog à la „Welches war Ihr Lieblingsbuch?“. Anschließend nur die Antworten zusammenschneiden, kein Off-Text. 1:30 einplanen.
Ich bekomme die Adresse der Hörerin, schaue auf der Karte – ein Dorf 53km von Saarbrücken entfernt. Für 1:30. Muss bis Freitag fertig sein. Und zack – da ist er – der Stress. Dieses Gefühl, das man aus seinen vorigen Praktika noch dumpf erahnen konnte, das von all der aktuellen Langeweile aber völlig überschattet wurde.
Bis Freitag Hörerin und eigenen Beitrag fertig machen, dabei stundenlang durch die saarländische Pampa fahren – ich freu mich drauf.
Antanzen in der Redaktion, sich die Konferenz sparen, aus dem Augenwinkel realisieren, dass der CvD schon wieder total gestresst ist.
Das ignorieren, trotzdem hingehen und sagen: „Haben Sie kurz Zeit, ich würde gern einen Themenvorschlag mit Ihnen besprechen“. CvD guckt gequält. Ich gucke gequält zurück. Scheint zu funktionieren. „Das ist gerade ungünstig, aber es ist ja immer ungünstig, deshalb machen wir das jetzt“. Ich soll meinen Vorschlag recherchieren und genauer erklären, welche Aspekte ich beleuchten will.
Also ab ins Internet. Zwischendurch Gespräche mit den netten Ex-Seminaristen von uns.
Kurz vor Mittag renn ich wieder zum CvD.
Darf meinen Beitrag machen, der erste eigene Beitrag fürs richtige Radio – kann mein Glück kaum fassen. Vergesse dabei, dass es mühsam sein kann, Leute aus Ministerien vors Mikro zu bekommen. Aber egal.
Nachmittags ab zum Betriebsarzt. Endlose Augen- und Hörtests. Und weil der Öffentlich-Rechtliche aus der Tour de France gelernt hat, werden auch bei den Praktikanten Doping-Tests durchgeführt. Ich bin sauber, darf ab morgen die Tour de Saarland fahren.
Zurück in der Redaktion. Große Überraschung: Ich bekomme einen Auftrag. Hörerin des Monats interviewen. Vorgefertigter Fragenkatalog à la „Welches war Ihr Lieblingsbuch?“. Anschließend nur die Antworten zusammenschneiden, kein Off-Text. 1:30 einplanen.
Ich bekomme die Adresse der Hörerin, schaue auf der Karte – ein Dorf 53km von Saarbrücken entfernt. Für 1:30. Muss bis Freitag fertig sein. Und zack – da ist er – der Stress. Dieses Gefühl, das man aus seinen vorigen Praktika noch dumpf erahnen konnte, das von all der aktuellen Langeweile aber völlig überschattet wurde.
Bis Freitag Hörerin und eigenen Beitrag fertig machen, dabei stundenlang durch die saarländische Pampa fahren – ich freu mich drauf.
das tazsche pendel
nachricht aus berlin - stop - die erste woche ist bald um - stop - aufreger am ersten tag: mus mit linux umgehen lernen - stop - aufreger am zweiten tag: keiner - stop - aufreger am dritten tag : keiner - stop - aufreger am vierten tag: keiner - stop - kann jedem nur empfehlen, später mal für wochenzeitungen oder wahlweise auch wochenendbeilagen von tageszeitungen zu arbeiten - stop - denn so erspart man sich eine menge stress - stop - für s praktikum vieleicht nicht die beste wahl - stop - denn man veröffentlicht kaum was - stop - wem das nichts ausmacht: zugreifen - stop - es ist so langweilig und stressfrei, dass man sich schon in prakikablogs in telegrammform schreibt, um wenigstens einmal am tag einen zeitrdruck zu simulieren - stop - gähn - stop - hat aber durchaus auch seine guten seiten hier - stop - kann viel kaffee trinken - stop - und den ganzen tag über themen nachdenken - stop - für stücke mit rund 300 zeilen - stop - schön magazinig - stop - wenn ich denn will - stop - die kollegen sind so lala - stop - der kaffe auch - stop - die kantine zu teuer - stop - aber berlin ist toll
EILEILEIL: tag fünf: der kollege von der medienseite hechtet herüber - stop - ob ich einen termin übernehmen will - stop - einen - stop - termin - stop - draußen in der echten welt - stop - und am ende der woche schreiben - stop - unter zeitdruck - stop - gut dass ich schon mal geübt hab EILEILEILende
dann erscheine ich also überregional, der durchbruch ist nah. vielleicht hört ullrich fichtner ja bald auf, dann wird in hamburg ne stelle frei. kann ja nicht gesund sein immer diese irakreisen.
EILEILEIL: tag fünf: der kollege von der medienseite hechtet herüber - stop - ob ich einen termin übernehmen will - stop - einen - stop - termin - stop - draußen in der echten welt - stop - und am ende der woche schreiben - stop - unter zeitdruck - stop - gut dass ich schon mal geübt hab EILEILEILende
dann erscheine ich also überregional, der durchbruch ist nah. vielleicht hört ullrich fichtner ja bald auf, dann wird in hamburg ne stelle frei. kann ja nicht gesund sein immer diese irakreisen.
Montag, 6. August 2007
Das ganze Praktikum ist ein Quiz
Zehn nach sechs klingelt an diesem Morgen mein Wecker. Ich komme kaum aus dem Bett. Die Augen rot, darunter dicke Ringe, so stellt man sich den Start in die Woche vor. Aber ich bin guter Dinge, habe ich doch heute meinen ersten Tag in der „richtigen“ Redaktion, nachdem ich letzte Woche erfolgreich um Versetzung gebeten hatte.
Kurz nach acht bin ich auf dem SR-Berg, 50 Minuten zu früh. Aber ich soll unbedingt Punkt neun zur Konferenz da sein, also hieß es, den früheren Bus zu nehmen.
Also erstmal Kaffee in der Kantine und SZ lesen.
9 Uhr: Konferenz. Außer mir drei Redakteure und ein Chef. Chef: „Achja, das hier (zeigt auf mich) ist übrigens eine neue Praktikantin, die eigentlich keine Praktikantin ist (ich horche auf). Eigentlich ist die drüben in der Nachrichtenredaktion, aber sie wollte auch mal einen Beitrag machen“. Aha.
9.05 Uhr: Die Konferenz ist beendet. Hat sich total gelohnt.
Der CvD weist mir einen Platz zu und kommentiert: „Wir haben ab heute ein neues Redaktionssystem, deshalb sind wir alle nervös und haben ÜBERHAUPT KEINE Zeit. Du musst dich heute also in Geduld üben“. Yup. Meine größte Stärke.
Also sitze ich rum. Und sitze. Und sitze. Mache ein Sozialwissen-Quiz bei sueddeutsche.de. Über Arbeitslosen- und Krankenversicherung.
Mir gegenüber der legendäre Redakteur, mit dem die Buchholzianer schon mal ein Telefongespräch hatten. Guckt mich an: „Ah, Sie sind die Frau mit dem Eis in der Kantine“. Ich: „Ja, manche nennen mich auch Anja Koch. Bin ab heute hier Praktikantin und nicht mehr in der Nachrichtenredaktion“. Er: „Das ist gut, bei uns ist es viel geiler!“. Gleich noch Grüße vom Buchholz bestellen und übers Seminar lästern.
Dann wieder sitzen. Und sitzen. Alle Zeitungen lesen. Und sitzen.
12 Uhr: Ich beginne zu zweifeln. Wozu habe ich mir am Wochenende schon die vielen guten Themen überlegt, wenn ich sie jetzt nicht mal vorschlagen darf??
Die andere Praktikantin will den CvD kurz was fragen „Nee, das geht heute auf keinen Fall, wir sind so gestresst, dass wir heute keine Fragen beantworten können“. Das lässt hoffen.
Auf meinem Handy drei Anrufe in Abwesenheit. Ich werde nervös. Anrufe um diese Uhrzeit – das kann nur die Redaktion meines Arbeitgebers sein, die mich zusammen scheißt, was ich am Wochenende für Mist zusammengeschrieben habe. Dann klingelt es wieder. Total schlechte Verbindung, so stelle ich mir einen Anruf aus Kasachstan vor. „Ja hallo, hier ist der Saarländische Rundfunk“. Ich beginne zu zweifeln: Wenn mich der Saarländische Rundfunk auf dem Handy anruft – wo befinde ich mich dann momentan?? Schnell noch mal umgeschaut. Doch, sieht aus wie die SR-Redaktion. „Hier ist das Sekretariat“. Ich soll für auswärtige Termine ein Auto bekommen. Prima, denk ich mir, ich hasse Auto fahren. Fast so sehr wie zum Arzt zu gehen. „Ach ja Frau Koch, vorher müssen Sie aber noch zu unserem Betriebsarzt und sich bescheinigen lassen, dass Sie fahrtauglich sind“.
13.30 Uhr: Ich sitze wieder. Und sitze. Und sitze.
Drei Reihen weiter vorne sind zwei Computer ausgefallen. Die Redakteure fluchen, der Techniker rennt wild hin und her.
15 Uhr: Ich sitze immer noch. Wusstet ihr, dass Sarah Jessica Parker alias Cary Bradshaw wegen ihrer Stilettos kaputte Knie hat?
15.30 Uhr: Wir dürfen los eine Umfrage machen.
Schade, der nächste Bus kommt erst in ner halben Stunde. Die andere Praktikantin hat ne tolle Idee: Wir trampen. Zehn Minuten später befragen wir Passanten zum Thema Taschengeld (läuft morgen Vormittag, wer sichs geben will). Zurück funktioniert das Trampen nicht, nur doofe Franzosen, die ignorant an uns vorbeifahren. Also den Berg bei 30 Grad wieder hochklettern.
17 Uhr: Die Umfrage schneiden. Die Praktikantin weiß, wies geht. Hat ihr die letzte Praktikantin gezeigt. Und die wusste es von der davor, und die….
17.45 Uhr: Brauchbare Antworten sind zusammen geschnitten. Alles andere macht der Redakteur selbst, weil er selbst noch nicht so genau weiß, was er will.
Vielleicht wäre die PR-Branche doch eine dauerhafte Lösung….
Kurz nach acht bin ich auf dem SR-Berg, 50 Minuten zu früh. Aber ich soll unbedingt Punkt neun zur Konferenz da sein, also hieß es, den früheren Bus zu nehmen.
Also erstmal Kaffee in der Kantine und SZ lesen.
9 Uhr: Konferenz. Außer mir drei Redakteure und ein Chef. Chef: „Achja, das hier (zeigt auf mich) ist übrigens eine neue Praktikantin, die eigentlich keine Praktikantin ist (ich horche auf). Eigentlich ist die drüben in der Nachrichtenredaktion, aber sie wollte auch mal einen Beitrag machen“. Aha.
9.05 Uhr: Die Konferenz ist beendet. Hat sich total gelohnt.
Der CvD weist mir einen Platz zu und kommentiert: „Wir haben ab heute ein neues Redaktionssystem, deshalb sind wir alle nervös und haben ÜBERHAUPT KEINE Zeit. Du musst dich heute also in Geduld üben“. Yup. Meine größte Stärke.
Also sitze ich rum. Und sitze. Und sitze. Mache ein Sozialwissen-Quiz bei sueddeutsche.de. Über Arbeitslosen- und Krankenversicherung.
Mir gegenüber der legendäre Redakteur, mit dem die Buchholzianer schon mal ein Telefongespräch hatten. Guckt mich an: „Ah, Sie sind die Frau mit dem Eis in der Kantine“. Ich: „Ja, manche nennen mich auch Anja Koch. Bin ab heute hier Praktikantin und nicht mehr in der Nachrichtenredaktion“. Er: „Das ist gut, bei uns ist es viel geiler!“. Gleich noch Grüße vom Buchholz bestellen und übers Seminar lästern.
Dann wieder sitzen. Und sitzen. Alle Zeitungen lesen. Und sitzen.
12 Uhr: Ich beginne zu zweifeln. Wozu habe ich mir am Wochenende schon die vielen guten Themen überlegt, wenn ich sie jetzt nicht mal vorschlagen darf??
Die andere Praktikantin will den CvD kurz was fragen „Nee, das geht heute auf keinen Fall, wir sind so gestresst, dass wir heute keine Fragen beantworten können“. Das lässt hoffen.
Auf meinem Handy drei Anrufe in Abwesenheit. Ich werde nervös. Anrufe um diese Uhrzeit – das kann nur die Redaktion meines Arbeitgebers sein, die mich zusammen scheißt, was ich am Wochenende für Mist zusammengeschrieben habe. Dann klingelt es wieder. Total schlechte Verbindung, so stelle ich mir einen Anruf aus Kasachstan vor. „Ja hallo, hier ist der Saarländische Rundfunk“. Ich beginne zu zweifeln: Wenn mich der Saarländische Rundfunk auf dem Handy anruft – wo befinde ich mich dann momentan?? Schnell noch mal umgeschaut. Doch, sieht aus wie die SR-Redaktion. „Hier ist das Sekretariat“. Ich soll für auswärtige Termine ein Auto bekommen. Prima, denk ich mir, ich hasse Auto fahren. Fast so sehr wie zum Arzt zu gehen. „Ach ja Frau Koch, vorher müssen Sie aber noch zu unserem Betriebsarzt und sich bescheinigen lassen, dass Sie fahrtauglich sind“.
13.30 Uhr: Ich sitze wieder. Und sitze. Und sitze.
Drei Reihen weiter vorne sind zwei Computer ausgefallen. Die Redakteure fluchen, der Techniker rennt wild hin und her.
15 Uhr: Ich sitze immer noch. Wusstet ihr, dass Sarah Jessica Parker alias Cary Bradshaw wegen ihrer Stilettos kaputte Knie hat?
15.30 Uhr: Wir dürfen los eine Umfrage machen.
Schade, der nächste Bus kommt erst in ner halben Stunde. Die andere Praktikantin hat ne tolle Idee: Wir trampen. Zehn Minuten später befragen wir Passanten zum Thema Taschengeld (läuft morgen Vormittag, wer sichs geben will). Zurück funktioniert das Trampen nicht, nur doofe Franzosen, die ignorant an uns vorbeifahren. Also den Berg bei 30 Grad wieder hochklettern.
17 Uhr: Die Umfrage schneiden. Die Praktikantin weiß, wies geht. Hat ihr die letzte Praktikantin gezeigt. Und die wusste es von der davor, und die….
17.45 Uhr: Brauchbare Antworten sind zusammen geschnitten. Alles andere macht der Redakteur selbst, weil er selbst noch nicht so genau weiß, was er will.
Vielleicht wäre die PR-Branche doch eine dauerhafte Lösung….
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